Seit seiner Einführung gilt der Airbus A350 als eines der modernsten und angenehmsten Langstreckenflugzeuge. Besonders oft wurde die breite Kabine gelobt. Doch diese Spitzenposition könnte bald enden. Mit dem neuen Boeing 777X bringt Boeing ein Flugzeug auf den Markt, das im Innenraum noch etwas breiter ist.
Damit verliert der A350 voraussichtlich seinen Status als breitester zweistrahliger Großraumjet mit durchgehender Kabine.
Doch was bedeutet das wirklich für Airlines – und vor allem für Passagiere?
Warum die Kabinenbreite so wichtig ist
Bei Großraumflugzeugen zählen nicht nur Länge oder Spannweite. Für den Komfort an Bord ist vor allem die Innenbreite der Kabine entscheidend.
Eine breitere Kabine kann:
- breitere Sitze ermöglichen
- breitere Gänge erlauben
- größere Armlehnen bieten
- mehr Schulterfreiheit schaffen
- größere Gepäckfächer aufnehmen
Gerade auf Langstreckenflügen über zehn oder zwölf Stunden macht selbst ein kleiner Unterschied von wenigen Zentimetern viel aus. Airlines stehen unter Druck, mehr Komfort zu bieten – gleichzeitig wollen sie wirtschaftlich bleiben. Jede zusätzliche Sitzreihe bringt Einnahmen, aber weniger Platz kann den Komfort senken.
Der A350 setzte neue Maßstäbe
Als der A350 entwickelt wurde, war die Kabinenbreite eines seiner wichtigsten Verkaufsargumente. Die Bezeichnung „XWB“ steht für „Extra Wide Body“.
Die Innenbreite des A350 liegt bei etwa 5,61 Metern. Das ermöglicht in der Economy Class meist eine 3-3-3-Anordnung mit rund 18 Zoll Sitzbreite. Viele Passagiere empfinden diese Konfiguration als angenehm.
Weitere Vorteile des A350:
- große Fenster
- hohe Kabinendecke
- moderne LED-Beleuchtung
- leisere Triebwerke
- niedrigere Kabinenhöhe von rund 6.000 Fuß
- gute Luftfeuchtigkeit dank Verbundwerkstoffen
All das sorgt für ein ruhiges und helles Kabinengefühl. Viele Airlines nutzen den A350 deshalb gezielt auf langen Premium-Strecken.
Die 777X wird noch breiter
Mit der 777X verfolgt Boeing eine klare Strategie: mehr nutzbare Breite im Innenraum.
Die Kabinenbreite soll bei rund 5,96 Metern liegen. Das sind einige Zentimeter mehr als beim A350. Möglich wird das durch:
- neu geformte Seitenwände
- dünnere Isolierung
- überarbeitete Innenverkleidung
- optimierte Struktur im Rumpf
Wichtig: Der Außenrumpf bleibt fast gleich groß wie bei früheren 777-Versionen. Der zusätzliche Platz entsteht also im Innenbereich.
Was bringt die zusätzliche Breite?
In der Praxis hängt alles davon ab, wie Airlines ihre Flugzeuge ausstatten.
Die 777X wird meist mit einer 3-4-3-Anordnung in der Economy Class geplant. Trotz zehn Sitzen pro Reihe sollen Sitzbreiten von etwa 17,5 bis 18 Zoll möglich sein.
Zum Vergleich: Bei engen Konfigurationen im A350 kann die Sitzbreite auch unter 18 Zoll sinken, wenn Airlines mehr Sitze pro Reihe einbauen.
Mit der größeren Kabine kann die 777X:
- breitere Sitze anbieten
- breitere Gänge ermöglichen
- größere Armlehnen verbauen
- mehr Raumgefühl schaffen
Doch es gibt einen wichtigen Punkt: Airlines entscheiden selbst, wie sie den Platz nutzen. Mehr Breite kann für Komfort genutzt werden – oder für zusätzliche Sitze.
Mehr als nur Breite: Komfort ist ein Gesamtpaket
Die Kabinenbreite ist nur ein Teil des Komforts. Weitere Faktoren sind:
- Geräuschpegel
- Beleuchtung
- Luftdruck und Luftfeuchtigkeit
- Fenstergröße
- Stauraum für Handgepäck
Der A350 ist bekannt für seine ruhige Kabine und seine angenehme Luftqualität. Die 777X setzt ebenfalls auf große Fenster, moderne Beleuchtung und neue Gepäckfächer.
Beide Flugzeuge bieten eine Kabinenhöhe von etwa 6.000 Fuß, was den Druck im Flugzeug angenehmer macht als bei älteren Modellen.
Wirtschaftliche Aspekte für Airlines
Für Fluggesellschaften geht es nicht nur um Komfort, sondern auch um Wirtschaftlichkeit.
Der A350 punktet mit:
- sehr guter Treibstoffeffizienz
- niedrigen Betriebskosten
- bewährter Technik
- hoher Zuverlässigkeit im täglichen Einsatz
Die 777X dagegen bietet:
- mehr Sitzplätze
- höhere maximale Startmasse
- größere Reichweite
- mehr Frachtvolumen
Airlines müssen also abwägen: Wollen sie maximale Kapazität oder höchste Effizienz pro Sitz?
Bleibt der A350 trotzdem stark?
Auch wenn die 777X in Sachen Breite die Führung übernimmt, bleibt der A350 ein starkes Flugzeug.
Viele Airlines haben große A350-Flotten aufgebaut. Neue Kabinenkonzepte, verbesserte Innenausstattung und optimierte Gewichte halten das Modell wettbewerbsfähig. Außerdem ist der A350 bereits weltweit im Einsatz, während die 777X noch nicht im regulären Dienst fliegt.
Ein großzügig ausgestatteter A350 kann komfortabler sein als eine sehr dicht bestuhlte 777X. Am Ende entscheidet die Kabinenplanung der Airline.
Der größere Markttrend
Der Wettbewerb zwischen Airbus und Boeing zeigt, wie wichtig Details geworden sind. Selbst wenige Zentimeter mehr Innenbreite werden heute als starkes Verkaufsargument genutzt.
Für Passagiere bedeutet das:
- mehr Auswahl
- modernere Kabinen
- bessere Beleuchtung
- größere Fenster
- oft mehr Komfort auf langen Strecken
Die wahre Bewertung wird jedoch erst möglich sein, wenn die 777X im Linienverkehr fliegt und Reisende den Unterschied selbst erleben.
Fazit
Der Airbus A350 war lange Zeit der Maßstab unter den zweistrahligen Großraumjets. Mit der Boeing 777X wird sich das ändern – zumindest bei der reinen Kabinenbreite.
Doch Komfort besteht nicht nur aus Zahlen. Sitzgestaltung, Airline-Strategie und Service spielen eine ebenso große Rolle.
Ob die 777X den A350 wirklich übertrifft, wird sich erst im Alltag zeigen. Klar ist: Der Wettbewerb sorgt für bessere Flugzeuge – und davon profitieren am Ende die Passagiere.







