Wie funktioniert Flugverfolgung?
Dass jeder von zu Hause aus den weltweiten Flugverkehr live beobachten kann, wirkt wie Zauberei – ist aber ein erstaunlich einfaches System aus Sendern, Empfängern und einer Karte. Hier die Technik hinter dem Flugradar, verständlich erklärt.
ADS-B: das Herzstück der Flugverfolgung
Moderne Verkehrsflugzeuge senden über einen ADS-B-Transponder (Automatic Dependent Surveillance–Broadcast) laufend ein Datenpaket in die Umgebung: ihre GPS-Position, Höhe, Geschwindigkeit, Kurs und eine Kennung. ‚Broadcast‘ heißt: Das Signal ist unverschlüsselt und für jeden empfangbar – ursprünglich gedacht für die Flugsicherung und andere Flugzeuge, inzwischen auch die Grundlage aller öffentlichen Flugradar-Dienste.
Das Empfängernetz: Tausende Antennen, viele davon privat
Radar-Dienste wie Flightradar24, RadarBox oder FlightAware betreiben weltweite Netze aus ADS-B-Empfängern. Ein großer Teil dieser Stationen steht bei Privatleuten: Eine kleine Antenne auf dem Dach, ein Empfänger (oft ein Raspberry Pi mit DVB-T-Stick) und eine Internetverbindung genügen, um die Signale der Umgebung an den Dienst weiterzuleiten. Als Dank erhalten Betreiber solcher Stationen bei den meisten Diensten kostenlose Premium-Konten. So entsteht eine Abdeckung, die in dicht besiedelten Regionen wie Deutschland nahezu lückenlos ist.
Von den Rohdaten zur Karte
Die Server der Anbieter sammeln die Meldungen aller Empfänger, gleichen sie ab und zeichnen daraus die Live-Karte: Position und Route jedes Flugs, ergänzt um Flugplandaten wie Flugnummer, Airline und geplante Zeiten. Aus Position und Geschwindigkeit wird die voraussichtliche Ankunftszeit berechnet – deshalb ist das Radar bei Verspätungen oft schneller als offizielle Anzeigen. In Regionen ohne ADS-B-Empfang (etwa über Ozeanen) nutzen manche Dienste ergänzend Satellitenempfang oder Multilateration (MLAT), bei der eine Position aus den Signallaufzeiten zu mehreren Empfängern errechnet wird.
Was das Radar nicht zeigt
Militärflugzeuge senden meist kein öffentliches ADS-B oder werden auf Wunsch der Betreiber ausgeblendet; dasselbe gilt für manche Regierungs- und Privatmaschinen. Auch sehr kleine Flugzeuge ohne entsprechenden Transponder fehlen. Für den zivilen Linienverkehr – also praktisch jeden Flug, den Sie verfolgen wollen – ist die Abdeckung dagegen ausgezeichnet. Probieren Sie es aus: auf unserem Flugradar oder direkt per Flugnummer.
Häufige Fragen
Ist es legal, Flüge zu verfolgen?
Ja. ADS-B-Signale werden bewusst unverschlüsselt ausgestrahlt, und die Radar-Dienste veröffentlichen nur Daten, die ohnehin frei empfangbar sind.
Warum springt ein Flugzeug auf der Karte manchmal?
Kurze Empfangslücken werden interpoliert; wenn wieder echte Daten eintreffen, korrigiert die Karte die Position. In gut abgedeckten Regionen passiert das selten.
Kann ich selbst einen Empfänger betreiben?
Ja. Die großen Radar-Dienste erklären auf ihren Websites, wie Sie mit günstiger Hardware eine eigene Empfangsstation aufbauen und Daten beisteuern – meist gegen ein kostenloses Premium-Konto.