Wie funktioniert Flugverfolgung?
Dass jeder von zu Hause aus den weltweiten Flugverkehr live beobachten kann, wirkt wie Zauberei – ist aber ein erstaunlich einfaches System aus Sendern, Empfängern und einer Karte. Hier die Technik hinter dem Flugradar, verständlich erklärt.
ADS-B: das Herzstück der Flugverfolgung
Moderne Verkehrsflugzeuge senden über einen ADS-B-Transponder (Automatic Dependent Surveillance–Broadcast) laufend ein Datenpaket in die Umgebung: ihre GPS-Position, Höhe, Geschwindigkeit, Kurs und eine Kennung. ‚Broadcast‘ heißt: Das Signal ist unverschlüsselt und für jeden empfangbar – ursprünglich gedacht für die Flugsicherung und andere Flugzeuge, inzwischen auch die Grundlage unseres Flugradars.
Das Empfängernetz: Tausende Antennen, viele davon privat
Unser eigenes Flugradar nutzt ein Netz von ADS-B-Empfängern und unsere eigene Empfangsstation. Ein großer Teil solcher Stationen steht bei Privatleuten: Eine kleine Antenne auf dem Dach, ein Empfänger (oft ein Raspberry Pi mit DVB-T-Stick) und eine Internetverbindung genügen, um die Signale der Umgebung weiterzuleiten. So entsteht eine Abdeckung, die in dicht besiedelten Regionen wie Deutschland nahezu lückenlos ist.
Von den Rohdaten zur Karte
Unser Server sammelt die Meldungen der Empfänger, gleicht sie ab und zeichnet daraus die Live-Karte: Position und Ziel jedes Flugs, ergänzt um Flugplandaten wie Flugnummer, Airline und geplante Zeiten. Neue Positionen treffen etwa alle zwölf Sekunden ein, dazwischen rechnet das Radar die Bewegung aus Kurs und Geschwindigkeit weiter. Aus Position und Geschwindigkeit wird die voraussichtliche Ankunftszeit berechnet; deshalb ist das Radar bei Verspätungen oft schneller als offizielle Anzeigen. In Regionen ohne ADS-B-Empfang, etwa über Ozeanen, führt unser Radar die Position mit Kurs und Geschwindigkeit fort (Koppelnavigation) und zeigt die Maschine halbdurchsichtig als geschätzte Position, bis wieder ein Signal eintrifft. Im Fenster eines Flugs zeigt der Reiter Früher außerdem frühere Flüge derselben Maschine aus den letzten zehn Tagen.
Was das Radar nicht zeigt
Militärflugzeuge und manche Regierungs- und Privatmaschinen sind nur zu sehen, wenn ihr Transponder eingeschaltet ist; Militärmaschinen, die senden, markiert unser Radar eigens. Auch sehr kleine Flugzeuge ohne entsprechenden Transponder fehlen. Für den zivilen Linienverkehr – also praktisch jeden Flug, den Sie verfolgen wollen – ist die Abdeckung dagegen ausgezeichnet. Probieren Sie es aus: auf unserem Flugradar oder direkt per Flugnummer.
Häufige Fragen
Ist es legal, Flüge zu verfolgen?
Ja. ADS-B-Signale werden bewusst unverschlüsselt ausgestrahlt, und unser Flugradar zeigt nur Daten, die ohnehin frei empfangbar sind.
Warum springt ein Flugzeug auf der Karte manchmal?
Auf unserem Radar springt ein Flugzeug nicht mehr zurück: Kurze Empfangslücken rechnet das Radar aus Kurs und Geschwindigkeit weiter, und trifft wieder eine echte Position ein, gleitet das Symbol dorthin, ohne zurückzuspringen.
Kann ich selbst einen Empfänger betreiben?
Ja. Mit einer kleinen Antenne, einem günstigen Empfänger und einer Internetverbindung empfangen Sie die ADS-B-Signale in Ihrer Umgebung selbst; genau so arbeitet auch unsere eigene Empfangsstation, deren Daten in dieses Flugradar einfließen.